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Portrait

Ufo361 – Von der Straße, bis an die Spitze der deutschen Charts

Am 25 Juli 2018 verkündete Ufo361 auf Instagram sein Karriereende. Er gab an, sich mehr auf seine Familie konzentrieren zu wollen und beendete seine Laufbahn als Musiker im November desselben Jahres mit viel Pathos und einem R.I.P. Konzert in der Berliner Columbiahalle.

Der Abschied von der Musik war am Ende aber doch nur ein ”PR Gag”, denn ein Jahr später erschien mit ”Wave”, im August 2019 sein neues Album, mal wieder ein voller Erfolg. Ufo361 hat es von der Straße in Kreuzberg bis an die Spitze der deutsches Charts geschafft. Doch wie kann es sein, dass er zwar auf der Straße sozialisiert wurde, sich aber im Lauf seiner Karriere bewusst vom Straßenrap distanziert hat. Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns erst einmal genauer mit seiner Lebensgeschichte auseinandersetzen.

Hier ist der passende Spotify-Link zum Album ‘’Wave’’:

Westcoast Rapper wurde zu Ufos Idol

Ufuk Bayraktar wurde am 23. Mai 1988 in West Berlin geboren. Er wuchs in Kreuzberg, zwischen dem Kottbusser Tor und dem Görlitzer Bahnhof als Kind türkischer Eltern auf. Die Familie hatte nicht viel Geld und so verbrachte er die meiste Zeit draußen, wenn es ihm zu Hause zu eng wurde. Seine Mutter erlaubt ihm dabei allerdings eine Zeit lang nicht den Hof zu verlassen. Doch selbst dort spielten die Kids mit Butterfly-Messer und drehten Joints. Trotzdem ging er dann irgendwann auf die Straßen und betrat ein Bezirk, der damals vor allem von türkischen Einwanderern und Punks geprägt war, die sich tolerierten und zusammenhielten, wenn es irgendwo eine Nazi-Demo gab. Man kannte im Kiez die Namen der anderen und half sich gegenseitig. Schon früh kam er hier auch in Kontakt mit Hip-Hop, denn Ufo war erst zehn Jahre alt, als ein Verwandter ihm eine CD von Tupac mitgebracht hat, die er extrem feierte und so wurde der amerikanische Westcoast Rapper schnell zu Ufo’s Idol. Er rasierte sich eine Glatze, trug ein Bandana und lässige Baggys, genau wie sein Vorbild. Außerdem hatte Ufo jetzt immer und überall Kopfhörer auf, was ihm im Unterricht häufiger Ärger mit seinen Lehrern einbrachte. Er fühlte die Welt der Gangster Rapper aber so sehr, dass Mitschüler die auf dem Schulhof Eastcoast Songs hörten direkt von Ufo blöd angemacht wurden. Bald zählte dann auch die Musik ‘’$lamic Force’’, also einer türkischsprachigen Hip-Hop Gruppe aus Kreuzberg, zu Ufos Favourites. Er sang beim hören laut mit und fing daraufhin sogar an selbst erste Texte zu schreiben.

Wilde Jugend

Etwa zur selben Zeit kam Ufo dann mit einer weiteren Urban Ausdrucksform in Berührung. Graffiti. Als er zwölf Jahre alt war, beobachtete er nämlich einen Typen, der einfach so tagsüber ein Bild an einer Wand in seiner Nachbarschaft sprühte. Leute kamen angerannt um zu gucken, was der vermeintlich Verrückte da machte, der ließ sich von seinem Vorhaben jedoch nicht abbringen und sprayte einfach weiter. Ufo wollte in dem Moment am liebsten selbst dort stehen, nicht weil ihm das Bild so gefiel, sondern weil der Sprayer so viel Aufmerksamkeit erhielt. Ufo und seine Freunde fingen dann bald selbst an die Wände der Stadt zu bemalen. Dadurch lernten sie Leute kennen, die Mitglied in der bekannten Graffiti Crew ”THC’ ‘waren. Ufo nannte sich ab jetzt Ufo1 und war Teil einer Gang, die auch für Vandalismus, Einbrüche und Schlägereien bekannt war. Sie schnitten zum Beispiel die Sitze der U-Bahn Züge auf und zerkratzen die Scheiben. Ein paar Mal wurde auch Ufo von der Polizei erwischt und musste kleinere Bußen zahlen oder Strafarbeit leisten. Und auch Drogen spielten bald eine größere Rolle in Ufo’s Leben. Während seine Freunde ihr Weed vor allem rauchten, fing Ufo an es zusätzlich es im Görlitzer Park zu verkaufen. Er wollte es nunmal besser haben als die Leute in seinem Umfeld, bei ihm zuhause saß er dann trotzdem die meiste Zeit einfach nur rum.

Sein eigenes Ding machen

Und so sagt ihm sein Vater, er solle sich endlich mal einen Job suchen und eigenes Geld verdienen. Also versuchte es Ufo mit einem Praktikum als Koch. An einem Abend musste er dort die ganze Küche aufräumen und putzen, als der Chef im Anschluss reinkam um zu kontrollieren wie gründlich er gearbeitet hatte, also schob er die Kühltruhe zur Seite und entdeckte Dreck. Den anschließenden Wutausbruch ließ sich Ufo aber nicht lange gefallen, nahm seine Schürze, warf sie auf den Boden und kam nicht wieder. Er wollte sich zukünftig von niemandem mehr etwas sagen lassen und sein eigenes Ding machen.

Erste Berührung mit eigener Musik

Doch er begriff irgendwann, das was seine alte Gang so machte, auch nicht unbedingt das Wahre war und verbrachte deshalb immer mehr Zeit mit Hip-Hop, seinen Texten und Leuten die jetzt ähnlich ticken wie er. So lernte er 2010 den Syrer stämmigen Rapper ”Said” kennen, der hatte mit ”Hoodrich” sein eigenes Label und nahm Ufo dort unter seine Fittiche. Ufo nannte sich fortan Ufo361. Die Zahlenkombination spielt übrigens auf die beiden ehemaligen Postzustellbezirke Kreuzbergs 3 6 und 6 1 an. Er kam damit buchstäblich von der Straße ins Studio, brachte zwei EP’s und 2014 sein erstes Album raus ”Ihr seid nicht allein”. Das war alles musikalisch stark geprägt vom oldschool Hip-Hop der 90er Jahre. Seinem größten Vorbild Tupac, widmete er sogar einen eigenen Song. Die Texte drehten sich um das Kreuzberg aus Ufo’s Kindheit und Jugend, um die Abgründe aber auch den Zusammenhalt im Kiez.

Durchbruch

Doch Ufo merkte bald, dass er etwas Neues machen wollte, dass es ihm nicht mehr reichte, seinem Idol nachzueifern und dass er keine Lust mehr hatte sein Leben lang über die Straße, Drogen und Bitches zu rappen. So konnte er zwar auf der einen Seite zwar Scheiße bauen, musste auf der anderen Seite aber nicht unbedingt darüber rappen. Und auch was den Klang anging, entwickelte er sich  in eine andere Richtung. 2015 lernte er die ”Broke Boys” kennen, die einen Sound produzierten der sich am US-amerikanischen Trap orientierte. Einem Sound, der Ufo gefiel. Zusammen machten sie den Song ”Ich bin ein Berliner”, der im Internet und in den Clubs der Stadt schnell zu einem Hit wurde. Zusammen mit den ”Broke Boys” produzierte er bis 2017 dann drei Mixtapes und etablierte so endgültig die Musikrichtung Trap in Deutschland.

Link zum Song ‘’Ich bin ein Berliner’’: https://open.spotify.com/search/ich%20bin%20ein%20berliner

Stay High

Heute ist Ufo361 hierzulande vermutlich der Trap Künstler Nummer 1 und hat mit ”Stay High” sein eigenes Label gegründet. Er zeigt sich gerne mit teuren Klamotten, Schmuck und Autos. In seinen Songs geht es darum, was er erreicht hat, aber auch das Reichtum und Ruhm nicht alles ist. In seinen Videos sieht man die Wahrzeichen zwar noch genauso wie etwa bei Bushido und Kollegah, er wirkt daran aber verloren. Anders als die ältere Generation des deutschen Hip-Hop, ist Ufo durchaus selbstironischer. Er zeigt wie einsam es in einem Goldkäfig sein kann und versucht seiner Persona durch die Thematisierung seiner inneren Konflikte und Melancholie Tiefe zu geben.

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